«trails»

choreografisches Projekt 2018



Die Filme des Griechen Theo Angelopoulos (u.a. Die Wanderschauspieler) nehmen mich seit den frühen 1980er-Jahren gefangen und bleiben seither in mir verankert. Seine Bildsprache nehme ich „ choreographisch“ wahr und in ihrer vielfältigen Assoziationstiefe ist sie dem Tanz nahe.

Dann begegne ich dem Film Homo Sapiens des österreichischen Filmemachers Nikolaus Geyrhalter, der uns in eine Welt ohne Menschen, jedoch mit ihren Hinterlassenschaften mitnimmt. Industrieruinen, verlassene menschliche Lebensräume, von der Natur zurückerobert, überwachsen, umspült. Mächtige Bilder.

Welche Großzügigkeit, dass ich diese Bilder verwenden darf und mein choreographisches Projekt «trails» damit bauen kann. Umgeben von einem Team von KünstlerInnen aus Frankreich, Litauen, Polen, Slowenien, Mozambique, Österreich und Deutschland schicke ich fünf Menschen auf Wanderschaft.

Obwohl diese Menschen offensichtlich heimatlos sind, geht es nicht um Flucht und Migration: Ich untersuche das Gefüge innerhalb der Gruppe, die sich durch eine apokalyptische Welt bewegt und es schafft, dass niemand verloren geht.


Projektionen aus Homo Sapiens über die Bühnenrückseite: dramatisches, kaum bewegtes Bild. Davor nach und nach fünf Gestalten. Sie kommen irgendwoher, einzeln. Sie sind Übriggebliebene oder Überlebende.

Wie ticken die anderen? Droht wieder Gefahr oder finde ich Freunde? Ich brauche Schutz, will mich anlehnen können, muss Allianzen schmieden. Gemeinsam sind wir stärker. Weiterwandern, stolpern, einander aufrichten. Aber auch das: andere ausschliessen.


Wir alle suchen sie: die Blase, unsere Blase. Mehr oder weniger heftig verteidigen wir sie gegen das Außen, suchen Bestätigung, Schutz, Bestärkung. Gemeinsamkeiten in Sprache, Kleidung, Lebensstil, Gewohnheiten und politischen Überzeugungen.

Aber wenn wir uns abschotten droht die Gefahr des verengten Blicks, der gefilterten Gefühle. Welch schwierige Balance. Es ist zum Fürchten: Der Starke Mann gefällt wieder, in vielfältigen Varianten, religiöse Ideologien geben sich modellhaft. Analyse, Denken und Wissenschaft werden verhöhnt.  Wir sind Wanderschauspieler und in der Gruppe finden wir Kraft. Muss der Preis die Zerstörung des Anderen sein?

Editta Braun

Tanz, Performance, Research:

Paula Dominici, Leon Marič, Kamil Mrozowski,Jerca Rožnik Novak, Ornilia Ubisse

Choreographie, Regie, künstlerische Leitung: Editta Braun

Ko-Regie: Arturas Valudskis

Komposition: Thierry Zaboitzeff

Dramaturgie: Gerda Poschmann-Reichenau

Lichtdesign: Thomas Hinterberger

Photographie: Bettina Frenzel

Filmmaterial aus dem Dokumentarfilm Homo Sapiens von Nikolaus Geyrhalter

Koproduktion: ARGEkulturSalzburg

Förderer: Österreichisches Bundeskanzerlamt-Kunstsektion, Stadt Salzburg Kultur,

Land Salzburg Kultur

Technische Anforderungen

Bühnengröße mindestens 10mx10m, schwarzer Aushang, Tanzteppich, gutes Tonsystem,

Videobeamer, mind. 5000 Ansi Lumen, Opera als Rückvorhang (Cyclorama) über die gesamte Spielfläche


Kontakt Management editta braun company: Antje Papke

antje.papke@editta-braun.com

+49 157 33663454

Paula Dominici

Geboren 1995 in Wien. BA in Zeitgenössischem Tanz an der Bruckneruni Linz. Schauspieltraining mit Karl Wozek und Ingrid Sturm. Engagements bei Regina van Berkel, Ives Thuwis, Rose Breuss , Patrik Huber, Corinne Eckenstein, Mona May and Jianan Qu.



Leon Marič

Geboren 1991 in Slowenien, High School for Arts (contempory dance), BA in Zeitgenössischem Tanz an der Bruckneruni Linz. Engagement bei: Michael Turinsky, Francesco Scavetta, Žak Valenta, Rose Breuss..



Kamil Mrozowski

Geboren 1991 in Polen. BA in Zeitgenössischem Tanz an der Bruckneruni Linz. Engagement bei: Regina van Berkel, Rose Breuss, Jagoda Szmytka. Seit November 2016 Mitglied der Künstlerplattform PLAY in Frankfurt am Main/DE.



Jerca Rožnik Novak

Geboren 1992 in Slowenien. BA in Zeitgenössischem Tanz an der Bruckneruni Linz. Engagement bei Willi Dorner, Rose Breuss, Silke Grabinger, Gisela Elisa Heredia. Mitglied von SILK Fluegge seit 2014. Mitglied des Künstlerkollektivs RADIATOR (Ljubljana/SLO).



Ornilia Ubisse

Geboren 1989 in Mozambique. BA in Modern und Contemporary Dance und Tanzpädagogik Pedagogy an der Norges Danse Høyskole in Oslo. Choreographin und Gründerin von Kronos Dance Company. Engagements bei TekstLAB, Nutopia, Tavaziva Dance Company; tourt mit Rikskonsert seit 2013.



Editta Braun

Geboren 1958, Studium (Germanistik, Sportwissenschaft), Tanz- und Schauspielausbildung in New Yorkm Paris. Gründung des bewegungstheaters vorgänge, 1989 der editta braun company. Jährliche Kreationen, weltweit auf Tour, internationale Kooperationen und Koproduktionen. Seit 1996 enge Zusammenarbeit mit Thierry Zaboitzeff (Musik, Komposition). Lehrtätigkeit u.a. in Linz, Salzburg und Wien, Internationaler Preis für Kunst und Kultur der Stadt Salzburg 2014.



Thierry Zaboitzeff

Geboren 1953 in Nordfrankreich, Mitbegründer, Komponist und stilprägender Protagonist der Avantgarde-Rock-Formation ART ZOYD, Welttourneen. Gründet 1999 Zaboitzeff & Crew. Freischaffender Komponist und Musiker. Veröffentlichung von 29 Alben.  

www.zaboitzeff.org  



Arturas Valudskis

Geboren 1963 in Litauen. Musikstudium in Kaunas. Ab 1986 Regie- und Schauspielstudium an der Kunstakademie in Vilnius. Förderstipendium der Stadt Salzburg, dort 1994 Gründung des Theater Panoptikum. Zahlreiche Produktionen, u. a. für das Toihaus Salzburg, die Musikwochen Millstadt, das Landestheater Salzburg sowie für das Schauspielhaus Salzburg. 2011 Gründung des Aggregat Valudskis mit Julia Schranz, Martin Bermoser und Markus Kofler.



Thomas Hinterberger

Geboren 1959 in Linz, Regisseur und Lichtdesigner, arbeitet mit verschiedenen Ensembles (editta braun company, Taka Tuka-Theater, Stifterhaus Linz,  Dramos Teatras Kaunas). Erhält 2004 den Anerkennungspreis für Theater des Landes Oberösterreich.  



Gerda Poschmann-Reichenau

Geboren 1969 in München, studierte Theaterwissenschaften in München und Paris.

Nach der Promotion bis 1999 Theaterdramaturgin in Salzburg, seit 2000 freiberuflich tätig als Dramaturgin, Lektorin, Übersetzerin und Autorin.


Nikolaus Geyrhalters Homo Sapiens

Ein Film über die Endlichkeit menschlichen Seins, über die Fragilität unserer Existenz, das Ende des industriellen Zeitalters und über das, was es ausmacht, Mensch zu sein.

Leere Räume, Ruinen, zuwachsende Städte, rissiger Asphalt. Unsere Lebensräume, nur ohne uns. Preisgegeben dem Verfall, oder besser gesagt: der Natur, die sich langsam zurückerobert, was wir ihr einst genommen haben. Der Wind pfeift, das herumliegende Zeug antwortet mit Geklapper. Wie kein Zweiter beherrscht Geyrhalter jenes von lyrischer Kraft wie kritischer Analyse geprägte, dokumentarische Kino. Wer will, sieht einen Horrorfilm oder eine post-apokalyptische Studie, oder er lauscht einer Erzählung über das verborgene, das eigentliche Leben der Dinge. "Homo Sapiens" ist eine Ode an das Mensch-Sein, betrachtet aus einem möglichen retrospektiven Szenario.                                                              http://www.geyrhalterfilm.com/homo_sapiens

Nikolaus Geyrhalter

Geboren 1972 in Wien. Regisseur, Produzent und Kameramann mit ganz eigener filmischer Handschrift: Menschen und Räume wirken in seinen Filmen für sich, kommentarlos. Bislang 13 Filme, darunter Pripyat, Unser Täglich Brot und Abendland. Gastprofessur für Fotografie und Film an der Univ. für angewandte Kunst in Wien 2012/13